D'Angelo: Der Messiah Of Postmodern Soul?
D'Angelo:
Zurück in die Zukunft des SOUL
Wer sich auf Plattenbörsen herumtreibt, weiß es längst: Soul-Lp's
aus den 60ern und 70ern sind begehrt. "Das liegt daran, daß der heutige
Soul keine Substanz hat und sich nur nach dem Marketing ausrichtet", diese
markigen Worte spricht D'Angelo aus Richmond, Virginia.
Nun
weiß jeder, daß man mit so einem vernichtenden Urteil leicht Aufmerksamkeit
erlangt, aber der etwas schüchterne 21jährige Priestersohn muß
sich schon sehr sicher sein, bevor er sich so deutlich äußert.
Und das kann er. Denn mit seinem Debüt-Album "Brown Sugar" ist es ihm
als bisher Einziger geglückt, die Qualität aus vergangenen Zeiten
in die 90er zu transferieren. D'Angelo kopiert nicht, sondern verbindet das
Wissen und die Techniken seiner Mentoren mit eigenen Erfahrungen im Hier und
Jetzt. So nutzt er zum Beispiel das Multivoicing von Marvin Gaye, oder die
Falsettstimme wie Curtis Mayfield, aber arbeitet auch mit Ali Shaheed Muhammed
von A Tribe Called Quest zusammen.
Da er
fast alle Songs allein eingespielt hat und scheinbar eine ähnliche Stimme
hat, wird er gegenwärtig noch mit Prince verglichen. Doch statt Hendrix
hört D'Angelo lieber Jazz. Das Ergebnis sind melodische, transparente
Arrangements für Bass und Fender Rhodes mit verhaltenen Rhythmen, die
sowohl im Jeep als auch im Schlafzimmer überzeugen.
Seine
erste veröffentlichte Komposition, "U will know" aus dem Soundtrack zu
"Jason's Lyric" (hier unter dem Namen "Mr. Cool" gelaufen), klang dagegen
noch sehr konventionell. Das Lied wurde unter dem Namen Black Men United mit
Lenny Kravitz und allen erfolgreichen männlichen Soulsängern speziell
für den Soundtrack eingespielt. "Diesen Song habe ich schon vor Jahren
geschrieben. Auch wenn der alte Stil erfolgreicher sein könnte - nachdem
ich den Song "Brown Sugar" eingespielt hatte, wollte und konnte ich nicht
auf das alte Level zurück. Ich bin kein Nostalgiker, ich will mich weiterentwickeln
und zeigen, daß man auch heute noch richtigen Soul komponieren kann
- wenn man es will."
Dieser Artikel erschien ursprünglich in Jazz Thing Heft Nr.11/1995