D'Angelo: Der Messiah Of Postmodern Soul?

11.07.2000

Er war in der Stadt und alle kamen - zumindest die bundesweite Hip Hop und Soulprominenz sowie integere Plattenfirmenvertreter wie z.B. Christian "Jazz+Klassik" Kellersmann. "Echtes" Publikum war beim einzigen Konzert des Pfarrersohns aus Virginia eher Mangelware.
Machen wir es kurz: Der Meister startete mit "Devil's Pie" vom zweiten Album. Das Original von DJ Premier war schon fett, aber was die zwölfköpfige Backingband
daraus machte, war schon phänomenal - und setzte den Maßstab für die nächsten zwei Stunden. Statt einem "Greatest Hits"-Pottpouri gab es eine Reise durch den Soul und Funk der Siebziger. Zwischen den eigenen Tracks gab es kleine Instrumental-Breaks mit Klassikern von James Brown, George Clinton und Prince.
Überhaupt ist diese Referenz weiterhin naheliegend, nur dass D'Angelo nicht so klein gewachsen ist, und das auch zeigt. Wahlweise im schwarzen oder weißen Unterhemd wölbten sich Oberarme, die so umfassend waren wie die Waden von Lothar Matthäus. Und als er dieses Bekleidungsstück auch noch auszog, schauten alle Männer schamvoll zu Boden - jetzt wissen wir also, warum das zweite Album so lange gedauert hat, der Mann war die ganze Zeit im GYM.
Nur einmal schien es, als ob er mit den neuen Muskeln auch weitere Macho-Allüren übernommen hat: Die Version von "Sh*t Damn, Motherf*cker" klang wie Fishbone oder die Red Hot Chilli Peppers - inklusive Stagediving!! Aber immer kurz bevor die Band zu laut oder die Jams drohten auszuufern, stimmte D'Angelo wieder einen richtigen Song an. Zum Schluß des offiziellen Konzertes sang nur noch das Publikum "How does it Feel (Untitled)" begleitet von der Hoffnung des amerikanischen R&Bs am Fender Rhodes.


>>D'Angelo in Jazz Thing 11/1995 (erster Artikel in Germany)

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