Curtom Records: "We're a Winner"
Curtis
Mayfield
war einer der Motoren des
Chicago-Sounds der 60er
und frühen 70er. Schon bevor er sich als Interpret selbständig machte,
schrieb er Songs für die gesamte Stadt: Major Lance, Billy + Jerry Butler,
Opals, Walter Jackson, Gene Chandler, June Conquest,
Jan Bradley, Patti Jo, etc.
Seine
ersten Versuche mit einem eigenen Label dauerte nicht lange. Sowohl "Mayfield"
als auch "Windy C" lebten nur kurz, veröffentlichten trotzdem mit den
Fascinations und Ex-Artistics Marvin Smith bzw. Five Stairsteps und June Conquest
eine Reihe von Klassikern. Erfolgreicher war da sein nächster Versuch:
Curtom.
Schon
seit 1962 als Musikverlag bekannt, startete das Label sechs Jahre später
mit den Impressions, den Stairsteps und einem Duett von June Conquest und
Donny Hathaway. Später kamen dann Leroy Hutson, die Staple Singers und
Notations dazu, und die alten Helden Major Lance und Gene Chandler veröffentlichten
ebenfalls zwei Singles auf dem gelben Label mit dem Motto "We're A Winner".
Als wichtigste Platten gelten allerdings die Solo-Alben des Meisters selbst.
Und die sind gerade wieder veröffentlicht. "Curtis", "Roots" und "Superfly"
stehen alle in 180gramm frischem Vinyl in luxuriösen Gatefold-Covern
bereit. Die beiden Live-Alben "Curtis /Live!" und "Curtis in Chicago" sowie
"Give, Get, Take and Have" und "There's No Place Like America Today" gibt
es jetzt auf zwei silbernen Bierdeckeln.
Letzteres
featured
unter
anderem "Hard Times", daß es zuvor von Baby Huey & Babysitters gab.
Huey starb mit 26 kurz nach dem Tod seines Freundes Jimi Hendrix. Sein posthum
veröffentlichtes Album enthält neben "Hard Times" (tatsächlich
der alte Gene Chandler-Titel "In My Body's House" von 1966) eine Version von
"Mighty Mighty" (ebenfalls später von Curtis mit den Impressions aufgenommen),
sowie einige Coverversionen. Das Originalalbum ist äußerst schwer
zu bekommen, da kommt das Re-Issue gerade recht.
Ebenfalls ein Komplettwerk gibt es von den Aufnahmen der Natural Four auf
Curtom. Zuvor bei ABC unter Vertrag, entdeckte Curtis die West Coast-Band
bei einer Tour. Nach der One-Off-Single "Eddie You Should Know Better" (quasi
eine Fortsetzung der Superfly-Geschichte und auch auf der Jubiläumsausgabecurtom
des Soundtracks vom Meister selbst veröffentlicht) übernahm Leroy
Hutson die Regie. Die Alben "Natural Four" und "Heaven Right Here On Earth"
bieten perfekten Sweet Soul. Das Requiem "Nightchaser" versuchte Disco-Klänge
miteinzubauen. Auch in dieser Zeit gab es zunächst Erfolge - wie z.B.
Linda Cliffords großartiges "Runaway Love", doch kurz danach
war der Zenith von Curtom überschritten. Der verzweifelte Versuch auf
der Welle mitzuschwimmen führte zum Bankrott in den frühen 80ern.
Curtis selbst war weiterhin aktiv und veröffentlichte regelmäßig eher mittleprächtige Alben, die allerdings zumeist einen Klassiker enthielten. Als er nach dem Soundtrack zu dem Film "The Return of Superfly" (hat den schon einer von Euch irgendwo gesehen?) ein Comeback möglich war, traf ihn ein Lichtmast und Curtis war seitdem querschnittsgelähmt. Nach einer Beinamputation im letzten Jahr starb Curtis Weihnachten 1999.
Curtom-Discographie (kommt).